Mit über 335.000 Einwohnern und einer Bausubstanz, die vom mittelalterlichen Münster bis zu modernen Forschungsbauten reicht, stellt Bonn besondere Anforderungen an die Erdbebenvorsorge. Die Stadt liegt in der Erdbebenzone 2 nach DIN EN 1998-1/NA, doch die lokalen Untergrundverhältnisse im Rheintal sind entscheidender als die zonale Einstufung. Tiefe Lockersedimentfüllungen aus Kies, Sand und Schluff können seismische Wellen erheblich verstärken. Eine standortspezifische seismische Mikrozonierung geht weit über die Regelkarte hinaus: Sie quantifiziert die tatsächliche Bodenbewegung an Ihrem Bauplatz, ermittelt die Spektralbeschleunigung und identifiziert Schichtgrenzen, an denen Resonanzeffekte auftreten. Für anspruchsvolle Gründungen im Bonner Talkessel kombinieren wir die Analyse mit einer SPT-Bohrung, um die Lagerungsdichte direkt zu messen, und einer MASW-Messung, die das Scherwellenprofil in den oberen 30 Metern liefert.
Die lokale Geologie des Bonner Rheintals kann seismische Signale um den Faktor 2 bis 3 gegenüber dem Felsreferenzwert verstärken – ein Effekt, den nur die standortspezifische Mikrozonierung aufdeckt.
Leistungsmerkmale in Bonn

Typische technische Herausforderungen in Bonn
Der häufigste Fehler bei Bauvorhaben im Bonner Stadtgebiet ist die pauschale Annahme der Baugrundklasse C für das gesamte Rheintal. Tatsächlich wechseln die quartären Ablagerungen auf kurze Distanz: Hochflutlehm über Terrassenkies reagiert seismisch völlig anders als mächtige Aueschluffe in Altarmbereichen. Ein Gründungsgutachten, das die seismische Standortantwort nicht explizit untersucht, riskiert eine Unterbemessung der Bauwerksduktilität und damit strukturelle Schäden bei einem Bemessungserdbeben. Besonders kritisch sind Bauwerke der Bedeutungskategorie III und IV, für die der Nachweis der Standsicherheit nach Erdbebenfall zwingend eine standortspezifische Untergrunduntersuchung verlangt. Die Kosten einer nachträglichen Ertüchtigung übersteigen den Aufwand für die Mikrozonierung um ein Vielfaches.
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Unsere Leistungen
Unser Leistungspaket zur seismischen Mikrozonierung in Bonn deckt alle Phasen ab – von der Vorerkundung über die aktive Seismik bis zur numerischen Standortantwort. Jede Phase wird von einem erfahrenen Geophysiker geleitet und durch ein akkreditiertes Baugrundlabor begleitet.
Aktive MASW-Messung mit 48 Kanälen
Hochauflösende Rayleigh-Wellen-Dispersionsanalyse zur Ermittlung des Vs-Profils bis 30 m Tiefe. Aufbau mit 4,5-Hz-Geophonen und beschleunigtem Fallgewicht, Auswertung nach Park et al. (1999) und Foti et al. (2014).
Bodenantwortberechnung (1D site response)
Nichtlineare oder äquivalent-lineare Analyse des Übertragungsverhaltens mit DEEPSOIL oder SHAKE2000. Eingangsparameter sind das Vs-Profil, die Scherdehnungsabhängigkeit aus Laborversuchen und ein standortspezifisches Eingangsbeben.
Bestimmung der Baugrundklasse nach EC8
Klassifikation nach DIN EN 1998-1 Tabelle NA.4 anhand gemessener Vs30-Werte und geotechnischer Schichtbeschreibung. Ausweisung von A (Fels) bis C (Lockergestein) mit Übergangsbereichen.
Mikrozonierungskarte für Areale und Quartiere
Für größere Projektgebiete erstellen wir flächendeckende Karten der Vs30-Verteilung und der spektralen Antwortbeschleunigung, die als Planungsgrundlage für Bebauungspläne und Infrastrukturprojekte dienen.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine seismische Mikrozonierung in Bonn?
Die Kosten liegen je nach Umfang zwischen €3.600 und €17.140. Ein Einzelstandort mit MASW-Messung und Bodenantwortanalyse beginnt bei etwa €3.600. Größere Areale mit mehreren Messlinien, umfangreicher Laborversuchsreihe und detaillierter Mikrozonierungskarte erreichen den oberen Bereich. Entscheidend sind die Anzahl der Messpunkte, die erforderliche Erkundungstiefe und der Detaillierungsgrad der numerischen Modellierung.
Reicht die Erdbebenzonenkarte der DIN 4149 für einen Bauantrag in Bonn aus?
Für Standardwohnbauten geringer Höhe in Bonn-Stadtmitte reicht die zonale Einstufung formal oft aus. Sobald jedoch besondere Baugrundrisiken wie mächtige Auesedimente vorliegen oder das Bauwerk in die Bedeutungskategorie III oder IV fällt, fordert die Bauaufsicht in der Regel einen standortspezifischen Nachweis. Die Erdbebenzonenkarte gibt nur die Gefährdung auf Fels an – die lokale Verstärkung durch Lockergestein bleibt unberücksichtigt.
Wie tief muss für die Vs30-Bestimmung gemessen werden?
Die Norm sieht eine Erkundungstiefe von mindestens 30 Metern vor. In Bonn kann es sinnvoll sein, auf 40 oder 60 Meter zu erweitern, wenn die quartäre Füllung des Rheintals mächtiger ist und der Felshorizont erst in größerer Tiefe ansteht. Die Eindringtiefe der Rayleigh-Welle beträgt etwa das 1- bis 1,5-fache der Wellenlänge, daher setzen wir entsprechend lange Arrays ein.